Predigt, Campingplatz Wersbach, 25.5.97
Verloren
Bibelstellen:
Matt. 18,11 ; - Jesus ist gekommen, zu suchen, was
verloren ist.
Matt. 18, 12-14 ; - Gleichnis vom verlorenen Schaf
Lukas
15, 1-10 ; - verlorenes Schaf, verlorener Drachme
Lukas 15, 11- Ende ; -
verlorener Sohn
Lukas 19, 1-10 ; - Zachhäus; Jesus ist gekommen, zu
suchen, was verloren ist.
Joh. 3, 16 ;
Joh. 17, 12; - keiner der
Jünger geht verloren, außer dem Sohn des Verderbens
1.Kor. 1,
18; - Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen;
2.Kor 4, 3
; - Evangelium ist verdunkelt denen, die verloren gehen;
2.Petr. 3, 9; -
Gott will nicht, daß jemand verloren geht.
Guten Morgen, liebe
Campingplatzgäste.
Ich möchte Ihnen zu Anfang einen Satz aus der
Bibel vorlesen, den Jesus gesagt hat:
(Lukas 19, 10;)
„Der
Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren
ist.“
Mit Menschensohn meint Jesus immer sich selber.
Aber was
oder wer ist mit „verloren“ gemeint ?
Ich möchte zuerst ein
bißchen mit Ihnen über den Begriff „verloren“
nachdenken.
Es hat sicherlich jeder schon einmal erlebt, daß er etwas
verloren und gesucht hat.
Das kann einen ja verrückt machen, wenn sich
das verlorene Ding partout nicht finden
läßt. Und wenn man es denn
dann doch findet, dann ist die Freude groß.
Auch in der Bibel drehen
sich einige Gleichnisse von Jesus um dieses Thema:
(Lukas 15, 8.9;
lesen)
(Lukas 15, 3-6; lesen)
Nun kann das schon an die Nerven gehen, wenn
man irgendeine Sache, die man braucht, oder --noch mehr-- ein Tier, an dem man
hängt, verliert.
Viel schlimmer ist es aber, wenn man einen Menschen
verliert.
Ich möchte Ihnen dazu eine Begebenheit, die Jesus
erzählte, vorlesen. Sie kennen sie vielleicht, sie ist ziemlich
bekannt.
(Lukas 15, 11-24; lesen)
Dieser Sohn war für seinen Vater
verloren. Er war abgehauen und hatte alle Brücken hinter sich abgebrochen.
Hier handelte es sich ja nicht um die natürliche Ablösung vom
Elternhaus; er forderte sein Erbe ein und sagt damit aus: „Du, Vater, bist
für mich tot ! Ich habe keinerlei Interesse mehr an dir.“. Was mag
wohl in dem Vater vorgegangen sein ? Er ist wahrscheinlich durch eine schwere
Zeit durchgegangen, mit viel Schmerz und persönlichem Hinterfragen.
Mit
dieser Erzählung verfolgte Jesus aber nicht in erster Linie das Ziel, mit
den Zuhörern über Eltern-Kind-Konflikte nachzudenken.
Das kann man
leicht daran erkennen, daß die drei Geschichten --verlorene
Silbermünze, verlorenes Schaf, verlorener Sohn--, die ich bisher vorgelesen
habe, in der Bibel hintereinander kommen und die ersten beiden Geschichten
werden mit einem erklärenden Satz abgeschlossen, den ich erst einmal
ausgelassen hatte. Ich lese die ersten beiden Geschichten noch mal in der
richtigen Reihenfolge vor:
(Lukas 15, 3-7; lesen)
(Lukas 15, 8-10;
lesen)
Und dann kommt das Gleichnis vom verlorenen Sohn, daß ich gerade
vorgelesen habe.
Sie erinnern sich an den Satz, den ich zu Anfang vorlas:
„Der Menschensohn, Jesus, ist gekommen, um zu suchen und zu
retten, was verloren ist.“
Jesus sucht also
Sünder, die verloren sind.
Ich möchte erst
noch bei dem Wort „verloren“ stehenbleiben.
Der verlorene Sohn
war verloren für den Vater, er war weit weg. Der Vater konnte auch
keinerlei Einfluß mehr auf ihn nehmen, weder ihm helfen, noch ihn zu etwas
zwingen. Er hätte ja auch viel Geld investieren können und Leute auf
die Suche nach ihm schicken können, um dann Druck auf ihn auszuüben.
Das hat er nicht gemacht. Er ließ ihn gehen. Und hierin liegt der
Schlüssel, um zu verstehen, was „verloren“ bedeutet.
Gott
läßt Menschen ihre Wege gehen. Er zwingt niemanden seine Hilfe auf.
Diese Menschen sind für Gott verloren, er kann ihnen nicht mehr helfen. Sie
leben ohne Gott, sie werden ohne Gott sterben und sie werden ohne Gott in der
Ewigkeit sein und laut Bibel muß das furchtbar sein.
Wer sind solche
verlorenen Sünder heute ? Gibt es sie überhaupt noch heute in unserem
christlichen Abendland ? Viele sind ja der Meinung, daß keiner
verlorengeht, weil man das heute ja alles nicht mehr so sehen könne. Ich
bin davon überzeugt, daß die Aussagen von Jesus zu diesem Thema
zeitlos sind. Was hat sich denn geändert ? Damals wie heute hat jeder
gemacht, was er will. Die Meisten waren nicht gegen Gott. Viele sind irgendwo zu
irgendwelchen religiösen Veranstaltungen regelmäßig hingegangen,
andere nur zu besonderen Gelegenheiten. Gott sollte in gewissen Punkten durchaus
berücksichtigt werden. Viele waren sogar der Meinung, daß Gott das
ganz toll findet, was sie nach eigenen Idealen und nach eigenem Gutdünken
machen.
Stellen wir uns den verlorenen Sohn vor : Vielleicht hat er hin und
wieder an zu Hause gedacht. Manche denken ja hin und wieder an Gott, aber ist
das eine Beziehung ? Was hat man denn mit Gott zu tun, wenn man ab und zu, in
bestimmten Momenten oder Stimmungen, an ihn denkt ? Ob nun der verlorene Sohn ab
und zu an seinen Vater denkt oder nicht, er hat doch trotzdem keine Beziehung zu
ihm. Er ist verloren für den Vater..
Jesus ist hier auf diese
Erde gekommen, weil er solche Verlorenen suchen will. Er hat am Kreuz dafür
bezahlt, daß wir verlorenen Menschen uns prinzipiell nicht Gott
unterwerfen wollen.
Die Frage ist, wollen wir das verstehen, oder erscheint
es uns unnötig, uninteressant oder unsinnig ?
In 1.Kor.1, 18;
steht:
„Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Dummheit,
uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“
Wenn wir
Gott nicht bitten, daß er uns das Wort vom Kreuz aufschließt,
erklärt, dann können wir es nicht verstehen (2.Kor.4,
3):
„Wenn aber unser Evangelium doch verdeckt ist, so ist es nur bei
denen verdeckt, die verlorengehen“
Man kann es verstehen, aber dazu
muß man wie der verlorene Sohn zu Gott zurückkehren.
Man muß
eingestehen, daß man ohne Gott gelebt hat. Und man muß zur richtigen
Stelle gehen. Der verlorene Sohn wußte, wo sein Vater wohnte. Er
hätte ja auch nach Rom fahren können, aber da hätte er seinen
Vater nicht gefunden. Gott hat Jesus geschickt, als Weg zu ihm selbst. Es ist
nicht leicht zu verstehen, aber in der Bibel steht, daß Gott sich finden
läßt, wenn man ihn sucht. Ich möchte Sie einladen, sich die
Bibel zu nehmen und nach Gott zu suchen.
Sie haben sicherlich noch viel Zeit
dazu, aber bedenken Sie, irgendwann gibt es ein zu spät.
Wenn der
verlorene Sohn fern vom Vater gestorben wäre, wäre er nie wieder nach
Hause gekommen, genauso ist ein Mensch, der fern von Gott stirbt, auf ewig von
Gott verloren.
Zum Abschluß möchte ich Ihnen noch einen Satz aus
der Bibel vorlesen (2. Petrus 3, 9):
„Der Herr ist geduldig euch
gegenüber, da er nicht will, daß irgendwelche verloren gehen, sondern
daß alle zu ihm umkehren.“ Er wartet auf sie.
AMEN